„Regional und Bio nicht gegeneinander ausspielen, sondern kombinieren“

Norwich_26042013Nachhaltige und umweltschonende Bewirtschaftung, artgerechte Tierhaltung sowie hochwertige Lebensmittel: Das zeichnet den Ökolandbau aus. Wie auf einem Bio-Hof gearbeitet und Bio-Lebensmittel erzeugt werden, zeigen aktuell die Aktionstage Ökolandbau in NRW, an denen sich über 60 Bio-Höfe und Bio-Gartenbaubetriebe beteiligen. Trotz zunehmender Bedeutung des Ökolandbaus ist seine Zukunft in NRW ungewiss, befürchtet Norwich Rüße, Sprecher für Landwirtschaft, Naturschutz und Tierschutz der GRÜNEN Landtagsfraktion.

1. In den letzten Jahren hat die rot-grüne Landesregierung den Ökolandbau auf vielfältige Weise gefördert. Wie schätzt Du die Zukunft des Ökolandbaus in NRW unter der neuen Landesregierung ein?

Norwich Rüße: Der Ökolandbau hat sich in den vergangenen Jahren in Deutschland gut entwickelt. Allein in NRW beantragten 2016 rund 220 Betriebe eine Umstellungsförderung und auch in den anderen Bundesländern ist die Entwicklung ähnlich. Insbesondere die Agrarpolitik und der Einsatz der Grünen Landesagrarminister haben diese Entwicklung maßgeblich angestoßen. Ob der Ökolandbau gestärkt und bäuerliche Betriebe unterstützt werden, wird somit auch im Wesentlichen über die jeweiligen Regierungen der Bundesländer beeinflusst.

Trotz der erfreulichen Entwicklung, liegen im europäischen Vergleich andere Länder vorne. Sicher ist, dass der Trend zu „Bio“ anhalten und der Absatzmarkt in den kommenden Jahren weiter ansteigen wird. Welche Rolle NRW dabei spielt, wird sich zeigen. Denn dies ist maßgeblich von dem zukünftigen Engagement der neuen Landesregierung abhängig. Der vorliegende Koalitionsvertrag gibt leider wenig Aufschluss darüber, wie und in welcher Weise die Förderung für bäuerliche Öko-Betriebe zukünftig ausgestaltet werden soll. Mit der Ankündigung diese prüfen zu wollen, um sie dann angemessen fortzuführen, schwingt zwischen den Zeilen die Möglichkeit mit, dass die neue Landesregierung hier den Rotstift ansetzen könnte.

2. Warum ist es wichtig, den Ökolandbau zu unterstützen?

Norwich Rüße: Bioprodukte sind nicht nur schmackhaft und gesund, ihr Anbau hilft auch einen aktiven Umwelt-, Natur- und Tierschutz umzusetzen. Denn der Ökolandbau orientiert sich dabei am Leitbild der Nachhaltigkeit. Durch die naturnahe Bewirtschaftung, bei der beispielsweise keine Spritzmittel eingesetzt werden, leistet der Ökolandbau auch einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt.
Die hohe Grundwasserbelastung durch Nitrat, der Verlust der Biodiversität, das anhaltende Artensterben, dies alles sind Auswirkungen der intensiven Landwirtschaft, die bereits heute unser Ökosystem beeinträchtigen. Das schadet insbesondere der ökologischen Vielfalt, belastet aber auch unsere Böden und unser wichtigstes Lebensmittel – das Wasser. Umso wichtiger ist es, den Anteil des Ökolandbaus zu steigern, da er eine Landwirtschaft nach vorne bringt, die im Einklang mit Mensch, Tier und Natur funktioniert.

Neben den positiven Umwelt- und Naturschutzaspekten sind erzeugte Bio-Produkte auch häufig weniger mit unerwünschten Rückständen wie zum Beispiel Nitrat, Pflanzenschutzmittel oder Antibiotika belastet. Auch die Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen ist grundsätzlich verboten.

3. Wie stehst du zu der Aussage der neuen Landwirtschaftsministerin „Regional ist das neue Bio“, die sie u.a. in der Rheinischen Post geäußert hat?

Norwich Rüße: Die Ministerin wirft damit zwei Dinge in einen Topf und versucht, sie gegeneinander auszuspielen. Ihre Strategie ist dabei ziemlich durchschaubar: Sie sieht sich als Verteidigerin der konventionellen Landwirtschaft und versucht deshalb Bio-Produkte abzuwerten. Sie betreibt damit genau das, was sie anderen gerne vorwirft: eine zutiefst ideologische Politik!

Wir GRÜNE setzen uns dafür ein, beide Formen der Landwirtschaft zu fördern, denn ökologisch und regional produzierte Lebensmittel können beide zum Klima- und Umweltschutz beitragen. Verbraucher müssen aber genau hinschauen. Denn im Lebensmittelmarkt werden die Begriffe „aus der Region“, „regional“ oder „von hier“ vielfach nur für Werbezwecke benutzt. Viele Menschen verstehen darunter, die Produktion in ihrer Region, unmittelbar zu ihrer Wohnortnähe. Dabei ist der Begriff „Region“ gesetzlich nicht definiert, wird daher sehr unterschiedlich interpretiert und teilweise irreführend in der Werbung platziert. Und leider garantiert der Begriff „regional“ auch keine schonende, umweltgerechte Landwirtschaft. Letztlich kann auch Massentierhaltung „regional“ sein! Für Verbraucher*innen ist es daher immer ratsam, sofern sie nicht direkt bei Erzeuger*innen einkaufen, sich genau zu erkundigen, woher das angepriesene Produkt stammt und welche Qualität es hat.

Die Begriffe „bio“ und „öko“ sind hingegen staatlich geschützt und die ökologisch wirtschaftenden Betriebe werden regelmäßig kontrolliert, ob die EU-Bio-Standards eingehalten werden. Richtig ist allerdings, dass viele Bio-Produkte im Supermarkt aus dem Ausland kommen. Deshalb wollen wir unsere heimischen Bäuerinnen und Bauern bei der Umstellung auf Ökolandbetriebe unterstützen. Damit helfen wir gleichzeitig der Natur, weil weniger Pestizide eingesetzt und die Äcker vielfältiger bewirtschaftet werden. Und wenn genügend Betriebe auf Öko-Landbau umstellen, dann gibt es die aus unserer Sicht ideale Kombination bei Lebensmitteln in NRW zukünftig immer häufiger: nämlich bio und regional!

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