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Bewerbung für den Landtag

Hier meine Bewebungsrede für den Platz 16 der grünen Reserveliste für die Landtagswahl am 9. Mai 2010:

Liebe Freundinnen und Freunde,

Wir Grüne sind der natürliche Freund der Bäuerinnen und Bauern in Westfalen, im Rheinland und  Lipper Land. Nur wir können die katastrophale Agrarpolitik von CDU und FDP beenden!
Und bei dem agrarpolitischen Neustart im nächsten Frühling möchte ich  mithelfen!

Ich bin 43 Jahre alt, von Beruf bin ich je zur Hälfte Kreisgeschäftsführer des KV Steinfurt und Bauer. Ich bewirtschafte einen 30 ha Bioland-Hof mit Ackerbau, Schweinen und Milchkühen.

Meine Arbeit als Bauer und das Leben auf dem Land prägen meine politischen Schwerpunkte: Ich bewerbe mich ausdrücklich als Vertreter des Ländlichen Raumes um diesen Listenplatz und möchte zukünftig gerne die grüne Agrarpolitik in der Landtagsfraktion mitgestalten.

Ich bin überzeugt davon, dass Agrarpolitik in den nächsten Jahren in der gesellschaftlichen Diskussion eine wachsende Bedeutung haben wird. Im Gegensatz zu den anderen Parteien nehmen wir dabei alle agrarpolitischen Aspekte vom Tierschutz über den Klimawandel bis hin zu intakten Ländlichen Räumen im Blick.

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Und im Gegensatz zu den anderen lassen wir die bäuerliche Landwirtschaft nicht einfach im Stich, sondern sehen unsere Verantwortung, die Bäuerinnen und Bauern auf dem Weg zu einer nachhaltigen Landwirtschaft zu unterstützen!

Für zehn Jahre – bis 2005 – war das in NRW schon einmal der Fall! Unter Bärbel Höhn war NRW Vorreiter für eine nachhaltige Landwirtschaft, die auf Umwelt, Tiere und Boden Rücksicht nimmt.

In den letzten fünf Jahren hat die Agrarpolitik in NRW – wie viele anderen Bereiche auch – eine Rolle Rückwärts erlebt. CDU und FDP haben 2005 die Prioritäten umgedreht:
Obwohl die Verbraucherinnen und Verbraucher in NRW in den letzten fünf Jahren immer mehr Ökoprodukte nachgefragt haben, hat Landwirtschaftsminister Uhlenberg umstellungsbereite Bauern massiv verunsichert, indem der Ökolandbau insgesamt in Frage gestellt und die Förderung heruntergefahren wurde.

Die Folgen dieser Politik: Der Öko-Boom aus grüner Regierungszeit ist dahin – statt dessen boomt jetzt der Bau von Hähnchenmastanlagen und Schweinemastställen im ganzen Land!

In meinem Heimatkreis Steinfurt und in den angrenzenden Kreisen Borken und Coesfeld ist die Massentierhaltung am weitesten vorangeschritten. 900.000 Schweine stehen in den Ställen im Kreis Steinfurt, das ist jedes siebte Schwein in NRW! Auf diese enorme Belastung für Umwelt, Landschaft und Anwohner werden jetzt noch die neuen großen Hähnchenmastställe draufgesattelt. Zwei Millionen Mastplätze sind es schon jetzt – und weitere Anträge sind gestellt.

Diese Mastställe sind das Symbol einer falschen Landwirtschaftspolitik, die vollkommen einseitig auf “Wachsen oder Weichen” und auf den globalen Nahrungsmittelmarkt setzt.
Wer wie  CDU und Bauernverband auf den Weltmarkt setzt, der zwingt die Landwirtschaft in die Billigproduktion. Denn auf dem Weltmarkt zählt nur der Preis!
Wer so produzieren will, der braucht niedrigste Umweltstandards, der will Monokulturen, der will Massentierhaltung und der will auch die Agro-Gentechnik.
Und der riskiert ganz aktuell und ohne mit der Wimper zu zucken, dass Hunderte von Milchbauern aufgeben müssen, weil sie für niedrigste Weltmarkpreise nicht produzieren können.

Wir, liebe Freundinnen und Freunde, wollen diese Entwicklung nicht!
Wir wissen seit langem, dass die “Wachsen oder Weichen”-Ideologie  von Bauernverband und CDU eine agrarpolitische Sackgasse ist. Unendlich viele Höfe wurden dadurch zur Aufgabe gezwungen und tausende Arbeitsplätze im Ländlichen Raum vernichtet, ohne dass sich die Subventionsabhängigkeit der Landwirtschaft verringert hätte.

Ich sage an dieser Stelle: Wir Grüne übernehmen Verantwortung für den Ländlichen Raum und für die Landwirtschaft. Wer zum Beispiel als bäuerliche Familie 60 Kühe hält und diese Kühe tagtäglich – von Montag bis Sonntag – versorgt, füttert und melkt, der muss von dieser Arbeit leben können!

Wir wollen keine Landwirtschaft, in der ein Überleben nur durch die Selbstausbeutung der Bauernfamilie und durch eine maximale Ausbeutung der Tiere möglich ist. Wir Grüne stehen für eine verantwortungsbewusste Agrarpolitik, die den Menschen, die Mitgeschöpfe und unsere Umwelt respektiert.

Ich will mich deshalb mit Euch zusammen für eine andere, eine nachhaltige und bäuerliche Landwirtschaft stark machen:
- Für eine Landwirtschaft, in der Tiere artgerecht gehalten werden an Stelle der derzeit boomenden Massentierhaltung!
- Für eine Landwirtschaft, die sich auf regionale Märkte konzentriert anstatt globales Agrarpreisdumping auf Kosten der Entwicklungsländer zu betreiben!
- Für eine Landwirtschaft, die gesunde Nahrungsmittel herstellt und nicht rückstandsbelastete Billigprodukte!
- Für eine Landwirtschaft, die vielfältige und bunte Landschaften prägt anstatt ökologisch gefährliche Monokulturen zu betreiben!

Nach fünf rabenschwarzen Jahren brauchen wir in NRW jetzt nicht mehr und nicht weniger als einen “agrarpolitischen Neustart!”

Die Aufgaben liegen vor uns:
- Wir müssen uns für einen Umbau der Agrarsubventionen einsetzen und endlich eine degressive Staffelung erreichen.
- Wir müssen uns um die kleineren und mittleren Höfe kümmern, sie bevorzugt beraten und fördern.
- Wir müssen dem ökologischen Landbau und der regionalen Vermarktung wieder neuen Rückenwind geben.
- Und vor allem müssen wir mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln den Boom bei der Massentierhaltung eindämmen.

Liebe Freundinnen und Freunde – die agrarpolitischen Karten werden gerade neu gemischt! Und unsere Chancen auf ein gutes Blatt sind so gut wie noch nie!
Mit den Milchbauern, die für ihre bäuerlichen Betriebe kämpfen und die vom Bauernverband und der CDU im Stich gelassen wurden, haben wir neue Ansprechpartner gefunden.
Mit den zahlreichen Bürgerinitiativen gegen die neuen großen Mastanlagen entsteht auf dem Land ein neues Klima, in dem unsere Ansätze als Chance gesehen werden, lebenswerte Ländliche Räume zu erhalten.

Wenn wir diese Chance beim Schopf packen wollen, dann müssen wir vor Ort präsent sein und dann müssen auch Köpfe für unsere bessere Agrarpolitik stehen.

Wenn Ihr auch meint, dass im Ländlichen Raum noch große Potentiale  für uns stecken, die von uns gepflegt werden müssen,
und wenn Ihr auch wollt, dass die Klientelpolitik von CDU und Bauernverband beendet gehören, dann drückt jetzt das Knöpfchen für mich!

Ich bitte Euch deshalb um Euer Vertrauen und Eure Stimme!
Vielen Dank!

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