Ein Vorwurf und meine Reaktion

Mir wurden zum Landeshundegesetz Aussagen unterstellt, die ich nicht gemacht habe. Im nachfolgenden zunächst die im Internet zu lesende angebliche Aussage sowie meine Antwort darauf:

Der Ursprung:

Hi,
kennt Ihr diese Aussage schon?
Zum Thema Landeshundegesetz und Rasselisten: Stand HEUTE!!!
Zitat:
Norwich Ruße, Mitglied des Landtages in Düsseldorf- Natürlich wurde das Thema Landeshundegesetz auch angesprochen. Herr Ruße, der für die Grünen im Landtag sitzt und für Naturschutz und Tierschutz verantwortlich zeichnet, meinte lapidar zu der Forderung nach Abschaffung der Rasselisten, dass er schließlich kaum noch Beschwerde- E-Mails zu diesem Thema bekommt. Daher gehe er davon aus, dass die Bürger mit dieser Regelung einverstanden sind.
Also bitte schickt ihm Mails an: norwich.ruesse@landtag.nrw.de

Meine Antwort:

Liebe HundefreundInnen,

hiermit möchte ich auf Ihre vielen Zuschriften reagieren.
Vorab bitte ich um Entschuldigung, dass ich die Vielzahl an Mails, die ich erhalten habe, nicht alle einzeln beantworten werde. Da Sie ja alle sicherlich gut untereinander vernetzt sind, können Sie diese Antwort aber gerne weiterleiten.

Ich bin einigermaßen entsetzt, wie sich Meinungen im Internet verselbständigen und Falschaussagen einfach so weitergeleitet werden.
Ebenso entsetzt bin ich über die Art, wie der Eine oder Andere meint, mir schreiben zu dürfen. Weder bin ich ein „Spako“ noch ein „Vollpfosten“.
Die Qualität einzelner Mails war ebenfalls unterirdisch und dem eigentlichen Anliegen kaum dienlich. Diese Mails, deren Schreibern es an höflichem Benehmen fehlt, kamen übrigens ausschließlich von Männern.

Nun aber zur Sache:
Das angeblich von mir stammende Zitat ist falsch und vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen. Ich kann Frau Ronsiek und Herrn Steff bzw. der Aktion Fair Play nur dringend empfehlen, zukünftig nur solche Zitate von anderen ins Netz zu stellen, wenn sie sich wirklich sicher sind, korrekt zu zitieren. Und korrektes Zitieren fängt im Übrigen schon mit einem Namen an, ich heiße Norwich Rüße.

Was habe ich denn nun wirklich gesagt?
Zunächst einmal ging es in der Veranstaltung des Landestierschutzbundes in Essen darum, über das Verbandsklagerecht für Tierschutzverbände zu berichten. Dieses Klagerecht ist aus meiner Sicht ein Meilenstein im Tierschutz und wäre ohne die grüne Beteiligung an der Landesregierung in Düsseldorf überhaupt nicht möglich.
Im Rahmen der Diskussion habe ich gesagt, dass wir unglaublich viele Mails aus der Forschung und von Hochschulen bekommen haben, mit der Aussage, ein solches Klagerecht bedrohe den Forschungsstandort Deutschland. Ich habe dann darauf hingewiesen, dass dies Grüne eher weniger beeindrucken würde, aber bei unserem Koalitionspartner durchaus Wirkung zeigt. Deshalb wäre es aus meiner Sicht gut, wenn Tierschützer ebenfalls Mails schicken würden, um sich deutlich für dieses Gesetz auszusprechen. Dann habe ich gesagt, es gebe auch noch eine aktuelle Parallele und zwar im Jagdrecht, wo die Jäger massiv versuchen, Änderungen pro Tierschutz zu verhindern und wir Grüne auch hier von außen kaum Unterstützung bekommen.

Als es dann später in der Debatte um das Landeshundegesetz ging, habe ich mich ausdrücklich auf meine vorherigen Äußerungen bezogen und gesagt, das sei so wie ich es vorhin schon beim Jagdrecht und bei der Verbandsklage gesagt habe, man müsse für seine Position streiten und öffentlich Druck machen.

Diese Aussage bezog sich ausdrücklich nicht auf mich selbst, sondern sollte nochmals verdeutlichen, wie notwendig es ist, gerade Politiker anderer Parteien im Bereich des Tierschutzes von bestimmten Positionen zu überzeugen. Deshalb war das Originalzitat auch nicht: „Ich kriege keine Mails mehr und deshalb glaube ich, dass das Gesetz allgemein mittlerweile akzeptiert wird“, sondern ich habe sinngemäß gesagt: „Wenn Politiker keine Mails mehr kriegen, dann gehen sie davon aus, dass die Bürger die Regelung mittlerweile akzeptieren und es keinen Änderungsbedarf gibt“.

Ausdrücklich auf Politiker anderer Parteien war diese Aussage deshalb bezogen, weil Gesetzesänderungen die Bildung parlamentarischer Mehrheiten voraussetzen. Daher ist es sinnvoll, möglichst viele Parteien von seinen Positionen zu überzeugen und ein entsprechendes öffentliches Klima für sein Anliegen zu schaffen.

Dass man meine Worte auch durchaus korrekt verstehen konnte, belegt übrigens ein Posting eines Herrn Bolten, den ich nicht kenne und der hier am 28.10. folgendes geschrieben hat:

„Herr Rüße war gestern zu Gast auf der Herbsttagung des Landestierschutzverbandes. Ist es sicher, dass er das auf sich bezog, denn gestern redete er anders?“

Ich finde, dass es spätestens an dieser Stelle sinnvoll gewesen wäre, Ihre ganze Aktion zu überprüfen und die Urheber meines angeblichen Zitates auf dessen Korrektheit zu befragen.

Abschließend möchte ich Ihnen sagen, dass ich einigermaßen enttäuscht über diese Mailaktion bin. Ich glaube, dass diese Landesregierung – wenn man bereit ist über den gesamten Tierschutz zu sprechen – bereits etliche Initiativen – von der finanziellen Unterstützung von Tierheimen über Förderprogramme für artgerechte Tierhaltung bis hin zur Verbandsklage für Tierschutzvereine – ergriffen hat, um zu mehr Tierschutz in NRW zu kommen.

Insofern hätte ich einen anderen Umgang miteinander erwartet.

Wie Sie alle dem Posting von Herrn Bolten außerdem entnehmen konnten, bin ich zukünftig nicht mehr allein für den gesamten Bereich des Tierschutzes zuständig. Neben dem Tierschutz innerhalb der Landwirtschaft, den ich nach wie vor betreue, wird sich von nun an auch Herr Martin Sebastian Abel den vielfältigen Themen des Tierschutzes widmen. Ich hoffe, dass Sie die Gelegenheit nutzen werden, mit meinem Kollegen in ein konstruktiveres Gespräch zu kommen.

Mit freundlichen Grüßen,
Norwich Rüße

3 thoughts on “Ein Vorwurf und meine Reaktion

  1. Sehr geehrter Herr Rüße!
    Leider haben sich in der Antwort Fehler eingeschlichen : Der „Herr Steff“ hat ihr „Zitat“ nicht ins Netz gestellt, sondern nur geteilt.Ihren Namen hatte ich in meiner Nachricht an Sie auch richtig geschrieben. Ich wünsche mir in der Politik nur einen fairen Umgang mit Hunden aller Rassen und ihren Haltern.
    Mit freundlichen Grüßen
    Uli Steff (weiblich)

  2. Sehr geeherter Herr Rüße,

    ich möchte Sie eindringlich bitten, Resignation über schlechte Gesetzgebung mit Zustimmung zu verwechseln.Wir haben uns ja auch mit Energiesparlampen abgefunden, die auf dem Sondermüll entsorgt werden müssen, sowie Wassersparmaßnahmen, die dafür sorgen, dass unsere Kanalisation nicht mehr richtig funktioniert. Ich bin sicher, Sie bekommen auch keine Mails über die hohe Steuerbelastung in Deutschland, glauben Sie hier auch, wir wären alle Glücklich damit?
    Die Landeshundeverordnung wiegt die Bürger infalscher Sicherheit, weil es das Problem am falschen Ende der Leine anpackt. Ich wäre nie so vermessen zu behaupten, mein Amstaff würde nie beissen. Ich sage aber auch, die Wahrscheinlichkeit ist nicht höher als bei unserem Bardino. Die amtlichen Beissstatistiken der letzten Jahre geben mir hier Recht, die keinen Zusammenhang zwischen Rasse und Beisshäufigkeit (oder Intensität) aufmachen können.
    Das Politik ein schwieriges Feld ist, verstehe ich. Unterschiedliche Interessen müssen unter einen Hut gebracht werden, immer fühlt sich jemand benachteiligt. Auch innerhalb der sogenannten Tierschützer gibt es keine einheitliche Richtung. Dennoch bitte ich Sie einfach, weiterhin mit Augenmaß Politik zu machen und zu überlegen, ob am Landeshundegesetz nicht noch die eine oder andere Verbesserung möglich ist.
    Mit freundlichem Gruß

    Markus Erens

    (Witten)

  3. Sehr geehrter Herr Rüße,
    erst einmal möchte ich Ihnen sagen, das ich es genauso unmöglich finde, das manche Menschen meinen, Sie beschimpfen oder beleidigen zu können, denn das ist definitiv der falsche Weg. Aber es zeigt natürlich auch wie unglücklich wir mit der bestehenden Landeshundeverordnung sind und an dieser etwas geändert werden muss (auch wenn Sie nicht mehr ausschließlich dafür zuständig sind, sind Sie doch ebenso wie wir Hundebesitzer miteinander vernetzt und können diese Mails an die entsprechenden Stellen weiterleiten! Schon einmal vielen Dank dafür).
    Die Hundeverordnung ist damals nach dem grausamen Tod des kleinen Wolkan einfach übers Knie gebrochen worden, weil die Menschen so in Aufruhr waren, anstatt einfach auf die bestehende Hundeverordnung zurück zu greifen, diese zu überprüfen und einfach einmal durchzusetzen. Wäre diese Hundeverordnung damals eingehalten worden, wäre Wolkan heute ein glücklicher und gesunder junger Mann.
    Statt die eigenen Fehler einzugestehen und daraus zu lernen, wurde etwas entworfen, was viele unschuldige Hunde ins Tierheim gebracht und ihr Leben kolossal verändert hat, und das ihrer Halter ebenso! Wieso muss ich einen Grund angeben, wenn ich einen Hund der Anlage 1 halten möchte (und überhaupt Anlage 1 und 2 was soll das überhaupt? Kein Hund ist von Natur aus böse, jeder Hund kann, entsprechend seiner Haltung, Sozialisation und Erziehung zum Familienmitglied oder zur Gefahr werden! Die Listen müssen definitiv weg!), und wieso muss ich ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen? Ich möchte einen Hund halten und nicht eine Bank leiten! Wesenstest ist ja schön und gut, aber dann bitte für alle auffällig gewordenen Hunde, und
    wenn der bestanden ist, gilt mein Hund immer noch nicht als „normaler“ Hund, warum nicht? Er hat sein nicht aggressives Wesen doch bewiesen!!!
    Auch wenn die Kommunen Geld brauchen, kann es doch eigentlich nicht sein, das man sich einen Hund aus dem Tierheim holt, der Stadt also viele Kosten erspart und dann als Dank eine Hundesteuer zahlt, teilweise in manchen Städten mehrere Hundert Euro, weil man einen sogenannten Kampfhund hat, selbst dies noch, wenn der Hund bewiesen hat, das er nicht aggressiv ist (s.o.). Warum kann man dann nicht sagen, das die Hundesteuer für einen begrenzten Zeitraum entfällt (bei Aufnahme eines Tierheimhundes)!?
    Vielleicht lassen Sie sich das mal durch den Kopf gehen und machen das mal zum Thema in der Politik,
    mit freundl. Grüßen
    Daniela Erens

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