„Veggie-Day“ – oder: wenn fleischessende PolitikerInnen hyperventilieren….

Norwich_26042013Nun ist sie mal wieder da – die Diskussion um den „Veggie-Day“. Um es gleich vorab zu sagen, ich bin kein Freund des vegetarischen Tages. Ich finde, wir brauchen keine politische Entscheidung darüber, ob Kantinen einmal in der Woche keine Fleischgerichte anbieten. Und was wir schon gar nicht brauchen, sind CDU-KatholikInnen und andere hypernervöse Fleischesser, die Angst davor haben, einmal in der Woche auf Fleisch verzichten zu müssen. Wie armselig müssen die eigenen Kochkünste sein, dass ein fleischloser Tag unvorstellbar erscheint?Ich will aber gar nicht 1/5 aller Kantinentage fleischlos machen. Denn das führt nur dazu, dass an den anderen Tagen weiterhin bedenkenlos Fleisch in Massen konsumiert wird. Und was bringt ein Fünftel weniger Fleisch, wenn der Rest weiter so produziert wird wie bisher?

Was wir brauchen, ist eine Debatte darüber, warum Fleisch preislich in Gemüseregionen vorgedrungen ist? Warum ist mittlerweile das Fleisch nicht mehr der kleine Mittelpunkt auf dem Teller ? Warum ist das Fleisch mittlerweile zur „Sättigungsbeilage“ verkommen, obwohl seine Produktion doch eigentlich sehr teuer ist?

Schließlich braucht man teuere Ställe, muss Unmengen an Getreide verfüttern (Futterverwertung beim Schwein: 1kg Fleisch aus drei kg Getreide), muss die Tiere schlachten , zerlegen, das Fleisch kühlen usw. usw.  Jeder Mensch sieht auf den ersten Blick, das hier etwas nicht stimmt.

Fleisch ist nur deshalb so billig, weil die Ausbeutung maximiert ist. Und die Ausbeutung ist allumfassend, es geht um die Haltung der Tiere, die Überdüngung der Böden, die Belastung der Umwelt und letztlich auch um den in diesem System arbeitenden Menschen. Es muss uns in erster Linie darum gehen, diese extremen Auswüchse der Fleischindustrie endlich einzudämmen.

Dazu gehört Qualzuchten, wie z.B. viel zu schnell wachsende Masthähnchen, zu verbieten, das Platzangebot in den Ställen ist deutlich auszuweiten, in die Ställe gehört Stroh usw.
Die ökologischen Auswirkungen, d.h. die Nebenkosten der Massentierhaltung sind auf die Verursacher, die Großmastbetriebe umzulegen.
Die Beschäftigten in der Branche verdienen bei extrem hohen Arbeitsbelastungen deutlich zu wenig. Die Auswüchse auf den Schlachthöfen mit osteuropäischen Lohnarbeiterbrigaden sind zu beenden, hier sind endlich anständige Löhne zu zahlen.
Und schließlich brauchen wir international geltende Standards wie mit Böden und Natur umzugehen ist, so dass insbesondere der Sojaanbau halbwegs nachhaltig geschieht.
Das alles würde den Preis des Fleisches wieder erheblich steigen lassen. Dadurch würde Fleisch automatisch wieder dorthin zurückkehren, was es vor wenigen Jahren noch war: Es würde wieder zu etwas Besonderem, das nicht jeden Tag auf den Teller kommt und schon gar nicht in den Massen,  in denen es heute (noch) üblich ist.

Wenn wir die Regeln der Fleischproduktion so verändert haben, dass die Ausbeutung eben nicht mehr grenzenlos ist und die Umweltbelastungen auf ein akzeptables Maß beschränkt worden sind, dann braucht es auch keinen Veggie-Day. Er ist und bleibt nämlich nur ein klägliches Hilfsvehikel im zuende gehenden Zeitalter der Massentierhaltung!

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