Regelungen folgen Verfehlungen – ein paar Gedanken zum Landesjagdgesetz

Hochsitz_by_Dieter Schütz_pixelio.deSeit über vier Jahren diskutieren wir in Nordrhein-Westfalen heftig das neue Landesjagdgesetz. Dabei geht es zum einen darum, inwieweit die Aufnahme des Tierschutzes in das Grundgesetz auch für das Jagdrecht Folgen haben muss.
Das ist die eine Seite der Medaille. Denn noch viel stärker beschäftigt uns die Frage angepasster Wildbestände, die sich aus der vorhandenen Fläche heraus ohne Zufütterung ernähren können und gleichzeitig keine erheblichen Schäden an Wald und landwirtschaftlichen Nutzflächen anrichten.
Genau da wird es dann aber interessant. Ich bin in den letzten Jahren immer wieder von Bäuerinnen und Bauern, von Gemüsebaubetrieben und von Waldbesitzern angesprochen worden, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann. Aus meiner Sicht das „Highlight“ in den letzten Jahren war die Installation einer Wildschadensbeauftragten durch den Schafzuchtverband. Wie sehr müssen sich Schäferinnen und Schäfer unter Druck sehen, dass man jemanden mit dieser Aufgabe betraut?
Imme wieder habe ich Bilder erhalten von Futterstellen, an denen jegliches Maß verloren gegangen war und wo es in der Tat nicht mehr um eine Notfütterung, sondern um Mast im Wald ging.
Das Ergebnis ist ja auch mehr als deutlich: Die Rotwildbestände sind in den letzten Jahren erheblich angewachsen, die Bestandsdichten sind 2-3 mal so hoch wie man aus ökologischer Sicht akzeptieren könnte.
Das Gesetz reagiert an dieser Stelle auf diese Probleme. Wir richten mit dem Verbissgutachten ein neues Instrument ein, um den Wildbesatz auf eine normale Höhe zu bringen.
Alle diese Maßnahmen sind dabei eine Reaktion auf Fehlentwicklungen innerhalb der Jagd. Die neue Gesetzgebung hat daher sehr, sehr wenig mit Bevormundung der Jägerschaft zu tun, aber sehr viel mit fehlender und gegenseitiger Selbstkontrolle innerhalb der Jägerschaft. Wenn da vielleicht des öfteren der Satz „Das macht man doch nicht – was denkst Du Dir dabei!?“ gefallen wäre, dann wäre vielleicht manche Neuregelung gar nicht notwendig geworden!
Ein sehr klares Beispiel, welche Konflikte im Rahmen überhöhter Wildbestände entstehen können, zeigt sich in Kleinenberg im Paderborner Land. Hier haben Landwirte sich aufgemacht, ihre Probleme infolge erheblich überhöhter Rotwildbestände öffentlich zu machen. Wer Bauern kennt, der weiß wie lange es dauert, bis diese den Schritt an die Presse und an die Öffentlichkeit gehen:

Zu viel Rotwild in Kleinenberg

 

 

 

 

 

14 thoughts on “Regelungen folgen Verfehlungen – ein paar Gedanken zum Landesjagdgesetz

  1. Guter Artikel über Missstände.
    Frage: Wenn ich Kenntnis über Straftaten und Ordnungswidrigkeiten erlange, bin ich verpflichtet diese anzuzeigen. Haben Sie?
    Ist nicht jeder Einzelne Teil der Gesellschaft und gestaltet diese?! Sind neue kostspielige Gesetze notwendig weil man Einzeltäter durch Strafvereitelung deckt?Oder vereitelt man Strafverfolgung um neue Gesetze zugunsten von angeblichen Tier-Naturschützern zu rechtfertigen und durchzusetzen?!
    Einige Punkte der Novellierung sind gut…viele werden Natur-Arten-Tierschutz verschlechtern.
    NABU verurteilt wegen Tierquälerei…
    PETA steht im Zusammenhang mit über 2000 Straftaten.Ermittlungen laufen.
    PETA-NABU fusioniert-1.000.000 Mitglieder-Stimmen.
    Sind das adäquate Berater der Grünen? Fahren sie mit ihrem Auto zum Bäcker für eine Inspektion?!
    Die Anhörung im Landtag gestern war sehr aufschlussreich…wer Natur-Umwelt-Tierschutz wirklich verbessern will, weiß was am neuen Gesetz noch verbessert werden muss.
    Liebe Grüße

  2. Erst einmal herzlichen Glückwunsch dazu, dass Sie es doch noch geschafft haben, aus dem „Öko-Landwirt“ einen „Hobby-Öko-Bauern“ zu machen und damit nicht mehr zu den vielen GRÜNEN gehören, die sich gern mit fremden/falschen Federn schmücken.
    Die von Ihnen geschilderten Missstände gibt es vereinzelt und es ist relativ einfach, diese abzustellen. Wie N. Kolberg schon erwähnte reicht eine Anzeige völlig aus, d.h. die Gesetzeslage ist hier vollkommen ausreichend und bedarf nicht GRÜNER Regelungswut.
    Bedenklich halte ich allerdings Ihre Schlussfolgerungen zum erwähnten Highlight. Der von den GRÜNEN verfolgte Zweiklassentierschutz, der sich u.a. nur aus rein ideologischen Gründen gegen die Jagd richtet, ist mehr als gefährlich. In Holland hat er z.B. dazu geführt, die Überbestände von Gänsen (Jagdverbot!) zu vergasen! Das nennt man dann ökologisch.
    Lokale Überbestände von Rotwild können ganz unterschiedliche Ursachen haben und haben nur selten etwas mit mangelndem jagdlichen Willen zur Regulierung zu tun. Der von den GRÜNEN jahrelang favorisierte Anbau von Energiepflanzen (mit der einhergehenden Verarmung der Natur) ist hier genau so zu nennen, wie die jetzt aufflammende unreflektierte „Willkommenskultur“ zum Wolf (Remmel; er denkt einfach nicht in Strukturen und Zusammenhängen, weil er es nicht gelernt hat; fehlendes Wissen kommt hinzu!). Ich selbst verwalte 33.000ha Jagdfläche mit festem Wolfsbestand. Rotwildkonzentrationen sind die Folge, in einer Kulturlandschaft mit katastrophalen Folgen für das Ökosystem. Hier nur reflexartig höhere Abschusszahlen zu fordern greift zu kurz und dokumentiert Unwissen!

  3. Tja, Herr Hahlweg – es ist ja immer die Frage, wo ein Hobby beginnt und wo es aufhört. Es gibt jede Menge Bauern, die ihre Höfe so wie ich im Nebenerwerb bewirtschaften. Für mich sind das die Betriebe, die nicht unbedingt intensiv wirtschaften müssen, vielleicht in Zukunft ein Vorteil für die Natur? Und manch‘ ein Schweinestall eines Vollerwerbbetriebes wurde auch nur dadurch möglich, weil vorher gut geerbt oder Bauland verkauft wurde. Ist das dann eigentlich auch ein Hobbybetrieb?

  4. also haben fast alle landwirte ihren beruf als hobby?

    kann doch wohl nicht sein, leute mit betrieb, die so denken sollten mal darübernachdenken das das ganze agrarWIRTSCHAFT und BETRIEB heißt und nicht denen die davon leben wollen was sie haben 365 tage im jahr hart arbeiten nicht noch das leben schwer machen.

  5. Da haben Sie wohl was falsch verstanden. Mir geht es darum, dass wer sich Landwirt nennt, dieses auch gelernt haben muss!(geschützte Berufsbezeichnung) Es gibt viele Bauern, die insbesondere Landwirte sind. Mit der Bezeichnung Hobby verbindet man aber nicht unbedingt Professionalität, was sicher gerade auch für Nebenerwerbsbetriebe gilt.

  6. Lieber Herr Hahlweg, ich bevorzuge die Bezeichnung „Bauer“, weil die Bewirtschaftung eines Bauernhofes von erfahrungsgeleitetem Handeln profitiert. Ich finde, „Landwirte“ machen derzeit jede Menge Unsinn un stellen die Ökonomie deutlich über die Ökologie. Kurzfristig und betriebsindividuell vielleicht richtig, langfristig und volkswirtschaftlich gesehen jedoch der falsche Weg.
    Lieber Herr Rottmann, ich würde das nicht so sehen. Für mich sind alle Betriebe gleichermaßen wichtig, egal ob Vollerwerb oder Nebenerwerb. Mich stört allerdings die politische Fokussierung auf den Vollerwerbsbetrieb, weil ich weiß, dass 50 Prozent der Betriebe dann unberücksichtigt bleiben. Der Vorwurf der Hobbylandwirtschaft kam ja im übrigen nicht von mir…

  7. auch nebenerweber muss die möglichkeit haben aus seinem betrieb ein zusätzliches einkommen zu ERWERBEN wie es der name schon sagt und nicht nur dokus im gleichen umfang wie der doppelt so große berufskollege ausfüllen.

  8. Lieber Herr Rüße,
    Sie belegen eines der eigentlichen Grundprobleme der GRÜNEN, den Mangel an Professionalität oder anders gesagt, ohne eine grundsolide fachliche und/oder fachwissenschaftliche Ausbildung wird fast jedes „erfahrungsgeleitete Handeln“ zum Hobby, will heißen: nur beides zusammen ergeben die notwendigen Kompetenzen, auch die beruflichen. Viele, sicher nicht alle, politischen Inhalte/Entscheidungen der GRÜNEN haben genau diesen Mangel. Hinzu kommen die großen Widersprüchlichkeiten; nur ein Beispiel von vielen: als Friedenspartei gelten wollen, aber den Krieg in Deutschland (Fischer) erst wieder hoffähig gemacht haben (übrigens ohne Mandat!) oder Parteispenden in Höhe von 100T€ unter Beteiligung der Rüstungsindustrie (Südwestmetall) annehmen; … Aber das ist ein ganz anderes Thema und lenkt ab. Fairer Weise möchte ich allerdings noch hinzufügen, Ihre Partei ist da nicht alleine, nur der Anspruch anders zu sein wird von den anderen Parteien nicht so rigoros formuliert.

  9. Rechtlich und praktisch erforderlich ist ein Kurswechsel und ein generelles Fütterungsverbot für alles Schalenwild. So ist es jetzt auch in Baden-Württemberg glücklich eingeführt worden,

    Denn „Notzeiten“ gibt es in unseren Breiten und in unserem gegenwärtigen Klima nicht. Winter und Schnee sind keine Notzeit – das ist anthropomorphisierende Sentimentalität, die bei Jägern verwundert -, sondern ein normaler und natürlicher Regulator (WIntersterblichkeit). Wo der Bestand deutlich über der Habitatkapazität liegt, und das ist vielfach so, da regulieren der Straßenverkehtr und der Winter ergänzend zum (nicht) Jagdausübenden.

    Für Sonderfälle (Rotwildgebiete u.ä.) sollten Ausnahmemöglichkeiten vorgesehen werden.

  10. Lieber Norwich Rüße,

    15.000 Demonstranten in Düsseldorf sind schon beeindruckend. Lassen Sie sich aber nicht beeindrucken und halten an Ihren Plänen fest. Sie sind richtig und längst notwendig. Unsere Natur braucht keine Jäger, die im übrigen genug Geld für eine Steuer haben…

    Hut ab und viel Glück!

  11. solchen bloggern wünscht man doch dass diese vom wolf gefressen werden.

  12. solchen bloggern wünscht man doch dass diese vom wolf gefressen werden.

    und das schreibe ich zum ersten mal

  13. Regelungen folgen Verfehlungen!
    Ich bin gespannt, Herr Rüsse, welche Regelungen Sie gegen den fachfremden Forstchef Wiebe ergreifen werden, der nun mehrfach gegen den Tierschutz verstoßen hat. Ist es eigentlich mit Ihrem ideologischen Jagdgesetz und Ihrer persönlichen Ethik vereinbar, wenn in einem Gatter, in dem das Wild keinerlei Ausweichmöglichkeiten hat, das Wild von GRÜNEN-Mitgliedern zusammengeschossen wird?

  14. Nach meinen Informationen bin ich viel gespannter, wie es denn in dem Fall der illegalen Greifvogeljagd des Vorstandsmitgleids des Landesjagdverbandes ausgeht?
    Der andere Fall scheint dagegen ja weitaus weniger brisant zu sein, als es der LJV NRW gerne hätte. Aber warten wir doch auch hier einfach mal die Ermittlungsergebnisse ab….

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