Von Kastenständen und klaren Worten…..

Porträt_Norwich_2012Da war ich doch sehr über die Berichterstattung des Landwirtschaftlichen Wochenblatts überrascht. Auf einer Kreisverbandsversammlung des WLV in Paderborn habe ich mit Politikern von SPD und CDU sowie dem Kreisvorsitzenden über die landwirtschaftliche Tierhaltung diskutiert.
Das war eine intererssante und spannende Debatte, der Artikel gibt das überhaupt nicht wieder. Daher habe ich eine Stellungsnahme an das Wochenblatt gesendet (der Artikel findet sich weiter unten). Aus meiner Sicht ist es ärgerlich, dass neuerdings eine solche  Berichterstattung im Landwirtschaftlichen Wochenblatt vorkommt. Ich erinnere mich gut daran, dass ich mich bereits im September an die Redaktion gewandt habe, weil mir damals in einem Bericht unterstellt wurde, ich hätte auf dem Waldbauerntag härtere Regelungen für den Anbau von Weihnachtsbaumkulturen verlangt. Das Gegenteil war der Fall, ich hatte die neugetroffenen Regelungen als Beispiel für Kompromissfähigkeit dargestellt, weil wir den Anbauern tatsächlich sehr weit entgegen gekommen sind.
Ich finde eine Zeitschrift sollte sich darauf beschränken, guten Journalismus zu machen und interessante, informative Berichte zu schreiben. Und auch wenn das Wochenblatt zu einem Drittel dem WLV gehört, so sollte man der Versuchung widerstehen, auf eine solche Art und Weise Stimmungen zu beeinflussen.

Meine Stellungnahme
zum Artikel „Kastenstände verbieten?“,
Landwirtschaftliches Wochenblatt, 49/2015

Wenn ich mit Bauern über den weiteren Weg der Landwirtschaft und insbesondere der Tierhaltung diskutiere, dann ist es meine Art, die vorhandenen Probleme deutlich zu benennen. Ich bin für klare Worte, weil der Austausch von Nettigkeiten in der Sache nicht weiterhilft. Nebelkerzenwerfer gibt es schon genug in der Politik.

Dementsprechend habe ich tatsächlich gesagt, dass sich die Tierhaltung grundlegend ändern wird. Als wegweisend habe ich dabei die Studie des Wissenschaftlichen Beirats des Bundeslandwirtschaftsministeriums zur Zukunft der Tierhaltung genannt, die den weiteren Kurs vorgeben wird. Und in der Tat fand ich es an dem Abend ziemlich „naiv“, heute noch in einen Stall zu investieren, von dem man nicht weiß, ob der über zwei Jahrzehnte so betrieben werden kann. Angesichts der von mir erwähnten Aussagen des Schlachthofbesitzers Clemens Tönnies – der Bauern auffordert „mal um die Ecke zu denken“ und sich mit Themen wie Ausläufen zu beschäftigen, bin ich tatsächlich sehr überrascht, dass Bauern immer noch Unsummen in den klassischen Vollspalten-Warmstall investieren, obwohl die Zeichen gerade erkennbar anders gestellt werden. Äußerst bedauerlich finde ich, dass der Autor vollkommen unerwähnt lässt, dass ich für den Umbau der Tierhaltung einen langen Zeitraum – genannt habe ich 20 Jahre – für notwendig erachte.

Was ich allerdings an dem Abend überhaupt nicht gesagt habe, ist die mir unterstellte Aussage zu Kastenständen, die sogar zur Überschrift des ganzen Artikels geworden ist. Ich habe an keiner Stelle gefordert, dass Kastenstände zu verbieten seien und über säugende Sauen haben wir überhaupt nicht gesprochen. Die Aussage zu den Kastenständen kam nicht von mir, sondern aus dem Publikum. Die europäischen Vorgaben zur Gruppenhaltung sowie das aktuelle Urteil zu den Kastenstandbreiten zeigen doch, dass auch hier Veränderungen stattfinden.

Dass der Artikel den Eindruck erweckt, meine Mitdiskutanten seien alle anderer Meinung gewesen als ich, ist ebenfalls falsch. Der Abgeordnete Jürgen Berghahn hat sehr deutlich auf die Probleme der Landwirtschaft hingewiesen, das Höfesterben kritisiert und mehr Regionalvermarktung gefordert. Und für die meisten Bäuerinnen und Bauern steht ohnehin nicht die Tierwohldebatte derzeit im Vordergrund, sondern der dramatische Preisverfall der letzten Monate, der Höfe existentiell bedroht und mit eine Folge des extremen einzelbetrieblichen Wachstums ist.

Meine Fazit aus diesem Abend ist deutlich anders als das des Autors. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass mir jemand die rote Karte zeigen wollte und sich provoziert fühlte. Ich fand, dass es insgesamt eine engagierte und vom Publikum sehr aufmerksam begleitete Diskussion war und dass die anwesenden Bäuerinnen und Bauern dankbar dafür waren, dass ich Klartext gesprochen habe.

Verbandstag_WLV_Paderborn

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: Landwirtschaftliches Wochenblatt für Westfalen-Lippe, 49 (2015)

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